| Die Vorratsdosen aus Keramik oder Porzellan, wie sie "in der guten alten Zeit" in jedem Küchenschrank standen, sind eigentlich ein Relikt magerer Jahre. Solange die Hausfrau und Mutter in einem Arbeiter- oder Kleinbürgerhaushalt noch etwas in den
mit "Graupen", "Hafergrütze", "Mehl" oder "Gries" bedruckten Behältern hatte, konnte sie ihre Familie satt machen. Stand auf der Dose "Kaffee", so war damit keineswegs der "echte Bohnenkaffee", sondern Malzkaffee aus gerösteter Gerste gemeint. Der Beginn des Industriezeitalters mit seinen Tagelöhnern und die Hungerjahre nach dem 1. Weltkrieg stellten die Hausfrauen vor große Probleme. War die Dose mit Gries gefüllt, konnte sie immerhin noch einen Griesbrei kochen und mit ein paar Rosinen oder Zimt "veredeln". Das mußte reichen als Hauptgericht. Ansonsten gab es "Stullen" mit Schmalz oder mit Margerine und Zucker, an guten Tagen vielleicht sogar mit Rübenkraut oder Kunsthonig. An solche Zeiten denkt niemand, der alte Vorratsdosen sammelt und sich über ein schönes Blümchenmuster freut. Und da sich solche Dosen auch in modernen Küchen dekorativ ausmachen, werden sie als Imitate in großen Stückzahlen produziert. Das hat die Hersteller von Blechdosen nicht ruhen lassen. Sie bieten bedruckte Dosen hunderttausendfach an - mit Blüten, fantasievollen Bordüren oder poppiger Grafik. Ein US-Hersteller hat die Vorratsdose aus Kunststoff via "Tupperparty" in fast jeden fünften Haushalt gebracht. Das Deutsche Dosen-Museum besitzt eine repräsentative Kollektion von Vorratsdosen aus den letzten 120 Jahren.
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