| Wenn auch Gefühle heute wieder "in" sind, so kommt doch die sentimentalste
Seifenoper nicht gegen die Gefühlsseligkeit vergangener Epochen an. Da schrieb man noch lange, glühende Liebesbriefe, widmete seiner Angebeten Gedichte und schickte ihr eine Herzdose ins Haus - gefüllt mit Liebesschwüren und/oder
Konfekt. Jedenfalls produzierten (und produzieren noch heute) alle Porzellan-Manufakturen Herzdosen aus Porzellan. Handbemalt und aus einer berühmten Manufaktur stammend, kann so eine Herzdose von 1840 oder 1910 einige
hundert Euro wert sein. Heutzutage werden Herzdosen als Massenwaren in Kaufhäusern und in Billigshops angeboten. Im französischem Limoges werden sie am Fließband hergestellt, immerhin aus Porzellan. Ansonsten kommen sie als metallisch glänzende Plastikdosen aus Fernost oder werden aus "romantisch" bedruckter Pappe oder Kunststoff dazu genutzt, Kirschpralinen und dergleichen zu verpacken. Man kann also sagen, dass die Herzdose gnadenlos vermarktet wird. Das hat man auch in den Ländern der dritten Welt erkannt, weshalb handgearbeitete Herzdosen aus Speckstein oder Silber in vielen Geschenkartike- und Dritte-Welt-Läden zu finden sind. Das Deutsche Dosen-Museum besitzt eine eindrucksvolle Sammlung an Herzdosen der vergangenen einhundert Jahre.
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